Der helle Wahnsinn; das Leben jenseits von Normen

Angela von Lerber
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Angela von Lerber ist das Gesicht hinter phil-rouge: Sie konzipiert, schreibt und kreiert Content für On- und Offline-Publikationen.
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Was heisst schon normal?

Die aktuelle Ausstellung „Der helle Wahnsinn; das Leben jenseits von Normen“ im Vögele Kulturzentrum  lotet die Trennlinie zwischen Normalität und Wahnsinn aus. Quer durch die Ausstellung trennt eine wellenförmige Spiegelwand den Raum in Sphären: Gezeigt werden individuelle Normüberschreitungen, der Wahnsinn als Krankheitsbild, der Verlust der Bodenhaftung in der Finanzwelt und schliesslich gibt es auch einen Raum, in dem mit der Abweichung von der Norm selbst gespielt werden darf.

Text: Angela von Lerber

Wo liegt die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn?

Je länger wir die porträtierten Lebensbilder erforschen, umso mehr verschwimmen die Grenzen. Was ist normal, was verrückt und was krank? – Was ist Wahnsinn, was ist künstlerische Unabhängigkeit, was Genie?

Der Rundgang beginnt mit einem Aktionsvideo des algerisch-französischen Künstlers Fayçal Bagriche: In seinem Film bewegt sich der Künstler inmitten von Passanten, die allesamt rückwärts gehen – als einziger nach vorn. Was stimmt hier nicht – wer ist verrückt?

Der Wahnsinn als Flucht vor der Norm und als Auflehnung gegen den Normierungszwang. Wer aus der Norm ausschert, wird von der konformen Mehrheit ablehnt, marginalisiert oder wegsperrt. Das Vögele Kulturzentrum wagt einen Blick hinter die Fassade des Wahnsinns.

Zum Beispiel Emil Manser

Der helle Wahnsinn Emil ManserDer Lebenskünstler galt in Luzern als Stadtoriginal und hat sich im Alter von 53 Jahren das Leben genommen. Manser lebte vom betteln – seine Plakate waren stadtbekannt: „supper-schlau? Ich auch!“

Mit Sprüchen wie diesem erregte er Aufmerksamkeit, In die Kunstszene hatte er es zu Lebzeiten nicht geschafft. Zu sehr waren seine Sprüche bitterer Ernst für ihn. Immer wieder hatte man ihn in die Irrenanstalt gesteckt. Emil Manser scheiterte an der Enge der Gesellschaft. Oder ist die Gesellschaft an Emil Manser gescheitert?

Die Regierung regiert sich selbst

Als erfrischendes Gegenbeispiel wird die Grossfamilie von Helena und Heinz Büchel gezeigt, die zusammen mit fünf behinderten Männern malend, gestaltend und musizierend ein kreatives Zusammenleben  ohne einengende Normen verwirklicht. Als „Die Regierung“ standen sie schon auf den Bühnen grosser Festivals. In ihrem Haus ist es ganz einfach normal, nicht ganz normal zu sein.

Welcher Idiot tut sowas?

Viele weitere Menschen und Künstler werden in dieser Ausstellung porträtiert, Psychiater kommen zu Wort, und es gibt auch Raum zum experimentieren: Welcher Idiot trägt eine Skulptur auf dem Kopf? – Probieren sie aus, wie sich das anfühlt, und rechnen Sie für Ihren Besuch unbedingt genügend Zeit ein!

Die Ausstellung dauert noch bis zum 21. September 2014.