Installation im Schreibhaus von Joelle Valterio

Zur Schreibhaus-Eröffnung in Burgdorf

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Angela von Lerber ist das Gesicht hinter phil-rouge: Sie konzipiert, schreibt und kreiert Content für On- und Offline-Publikationen.
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«Jeder Ort sollte ein Schreibhaus haben», ist Hausherr Ivo Knill überzeugt. Das Schreibhaus bietet, was viele Schreibende vermissen: einen ersten geschützten Resonanzraum für ihre Texte.

12.11.2017, von Angela von Lerber

Letzten Samstag öffnete in Burgdorf das Schreibhaus seine Pforten und lud zum grossen Einweihungsfest. Eine Schreibretraite im Vorfeld liess Texte entstehen, die an diesem Tag erstmals vor Publikum gelesen wurden. Das Schreibhaus bietet, was viele Schreibende vermissen: einen ersten geschützten Resonanzraum für ihre Texte.

Schreibhausmeister Ivo Knill führte die zahlreich angereisten Gäste durchs Haus: Im Keller auf der alten Werkbank warteten lange Packpapierstreifen für Schreibexperimente entlang der eigenen Biografie. Dort, in der ehemaligen Gerberei, begann die Führung mit einer ersten Lesung von Texten, die grösstenteils hier im Haus entstanden sind.

Literatur im Schreibhaus

Das Schreibhaus ist eröffnet

Die nächste Station führte ins Büro, wo der Hausherr selbst arbeitet und schreibt. Im kleinen Pavillon auf der Veranda wartete eine Installation von Joëlle Valterio auf die Gäste. Die Künstlerin hatte in den vergangenen Tagen einen kleinen Zen-Garten geschaffen und mit Steinen und Papierskulpturen belebt. Wispernde Texte umgarnten hier den Besucher.

Weiter führte die Erkundungsreise in die Küche, wo bereits eine warme Suppe vor sich hin köchelte, von da in die gute Stube, die Treppe hoch vors alte Lehrerpult und hinauf zu den Gästezimmern. An jeder Station bekam man frisch geschriebene Texte zu hören. Zum Abschluss las Ivo Knill von oben aus der Estrichluke erste Sätze aus seinem aktuellen Schreibprojekt «Der Himmel meines Bruders».

Schreiben als gemeinschaftlicher Prozess

Mit dem Schreibhaus erfüllt sich der Germanist und Gymnasiallehrer einen langjährigen Traum: eine Schreibstätte, wo Texte ihre Form finden und Literatur eine erste lebendige Öffentlichkeit. Das Schreiben begleitet ihn seit seiner Kindheit. Schreibend reflektiert er persönliche Erlebnisse und erforscht seit vielen Jahren im Freundeskreis einen körperlichen Zugang zur kopflastigen Akt des Schreibens: essend, tanzend und spielerisch. Weg vom einsamen Schreibtisch in die inspirierende Gemeinschaft. Das Schreibhaus will literarische Impulse setzen. Der Hausherr fühlt sich beglückt. Die Geschichten kommen zu ihm. Er darf sie einfach sammeln. So, wie die Geschwistergeschichten der Burgdorfer Kulturnacht vom 21. Oktober, die auf dem Schreibhaus-Blog zu lesen sind.

Ein Rückzugsort zum Schreiben und ein Gegenüber zum Austauschen

«Jeder Ort sollte ein Schreibhaus haben», meint Ivo Knill in seiner Eröffnungsrede. Zwischen den Mauern seines dreihundertjährigen Altstadthauses in Burgdorf, wo früher handfestes Handwerk betrieben wurde – die unteren Räume beherbergten früher eine Schuhmacherwerkstatt, eine Spenglerei, eine Gerberei – zwischen diesen schlummern schon die Geschichten.

Im Dachstock, wo früher die beiden Töchter schliefen, haben Ivo und seine Frau Sonja vier Zimmer für Schreibende eingerichtet. «Write and Be» heisst das Angebot für Gäste. Nicht nur literarische Texte können dort entstehen. Auch Texte für die eigene Website, Diplomarbeiten, Buchprojekte oder Essays. Endlich ein Ort, wo man nicht abgelenkt ist. Der Hausherr steht den Schreibenden zum Zwiegespräch und Reflektieren der Texte zur Verfügung.