Umweltpreis 2014 zum Thema Wasser

Angela von Lerber
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Wasser sparen? Die Jury prämierte fünf Vorzeigeprojekte

Am 23. Mai hat die Schweizerische Umweltstiftung ihren jährlichen Umweltpreis vergeben. Im Jahr 2014 setzt die Stiftung den Schwerpunkt beim Wasser. Mit der „2000-Liter-Gesellschaft“ als Vision will sie den Pro-Kopf-Wasserverbrauch innerhalb der nächsten 50 Jahre halbieren. Weshalb dies notwendig ist, erklärt die Stiftung auf der Online-Plattform www.2000litergesellschaft.ch.

Text: Angela von Lerber

Die Website macht auf Fakten aufmerksam, die uns Schweizern, die wir im Wasserschloss Europas leben, kaum bewusst sind. Oder hätten Sie gedacht, dass jeder Schweizer im Schnitt pro Tag die unfassbare Summe von 4’200 Litern Wasser verbraucht (Quelle GNEHM 2012)? – Zwar konsumieren wir das Wasser nicht als kühles Nass. Der direkte Wasserverbrauch beträgt denn auch lediglich 160 Liter pro Kopf (Quelle GAILLE 1999). Wir verbrauchen das kostbare Gut als virtuelles Wasser, versteckt in Lebensmitteln oder Gebrauchsgütern, 80 Prozent davon in Ländern, die unter Wasserknappheit leiden. Rund 3000 Liter pro Kopf und Tag fliessen in die Nahrungsmittelproduktion – genügend Anhaltspunkte also, um sich auch als Schweizer ersthaft die Frage des Wassersparens zu stellen.

Mit ihrem Umweltpreis 2014 hat die Schweizerische Umweltstiftung ein paar vielversprechende Projekte ausgezeichnet, die sich dem Thema Wasser annehmen:

Kategorie „Erfolgreichste realisierte Projekte“

1. Rang: Verein foodwaste.ch

Der Vereins foodwaste.ch will die Verschwendung von Nahrungsmitteln eindämmen. Ihr Ansatzpunkt ist die Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere junger Menschen, denen eine Nahrungsmittelknappheit aus eigenem Erleben fremd ist. foodwaste.ch informiert, wie man bewusst einkauft, wie Lebensmittel richtig aufbewahrt, gelagert und möglichst gut verwertet werden. In der Schweiz gehen täglich 2 Mio. Tonnen Nahrungsmittel irgendwo auf dem Weg zwischen Anbau und Esstisch verloren. Fast die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel fallen in Privathaushalten oder in der Gastronomie an. An diesem Punkt setzt die Sensibilisierungskampgne des Vereins foodwaste.ch an.

2. Rang: Amphiro AG

Das junge Unternehmen Amphiro AG konzentriert sich auf den direkten Wasserverbrauch im Bad. Mit einer intelligenten Armatur, die den Energie- und Wasserverbrauch beim Duschen anzeigt, will sie zunächst das Bewusstsein födern und schliesslich den effektiven Wasserverbrauch beim täglichen Duschgang reduzieren. Angetrieben wird das Messgerät durch das fliessende Wasser, das ohnehin hindurchfliesst.

Kategorie „Vielversprechende Jugendinnovationen“

1. Rang: Sustainable Sanitation for Refugees, Lilian Volat, Palästina

Die enorme Flüchtlingswelle, ausgelöst durch den Krieg in Syrien, in die Auffangeinrichtungen der benachbarten Länder stellt diese vor enorme logistische Probleme. In Jordanien beispielsweise hat die Anzahl Flüchtlinge die Millionengrenze überschritten – was bei einer einheimischen Bevölkerung von etwas über 6 Millionen immens ist. Die Flüchtlingscamps liegen in wasserarmen Gebieten. So muss für die Versorgung eines grösseren Lagers mit rund 100’000 Flüchtlingen täglich 3500 m³ kostbares Wasser in Lastwagen herangefahren werden. Rund zwei Drittel davon fliesst in die sanitären Einrichtungen.

Die in Palästina lebende Amerikanerin Lilian Volat arbeitet an einem Projekt, um in den Camps Toiletten ohne WC-Spülung zum Einsatz kommen zu lassen. Der gesammelte Urin soll abgeführt und zu Dünger verarbeiet werden. Ihre Idee ist, dass die in den Camps lebenden Menschen für den abgegebenen “Rohstoff Urin“ eine Entschädigung erhalten, die wiederum für soziale Projekte in den Camps eingesetzt werden kann.

2. Rang: Verein essento, Zürich/St. Gallen

In diesem Projekt geht es einer Gruppe studentischer Jungunternehmer darum, den Fleischkonsum und den Einkauf anderer Lebensmittel mit hohem Ressourcenverbrauch einzuschränken.

Der Verein essento will Insekten auf unseren Speiseplan bringen und hat zu diesem Zweck schmackhafte Burger-Rezepte aus Mehlwürmern und Heuschrecken entwickelt. Insekten sind hochwertige und gesunde Nahrungsmittel mit einem hohen Nährwert, die tierische Proteine und natürliche Mineralstoffe liefern. im Vergleich zur konventionellen Tierhaltung lassen sie sich viel ressourcenschonerder halten. Allerdings ist der Verkauf von Insekten zur Nahrunsmittelproduktion in der Schweiz noch verboten. Der Verein essento muss also noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Nicht zuletzt, um auch kulturell bedingte Widerstände zu überwinden.

Anerkennungspreis

Den symbolischen Anerkennungspreis schliesslich durfte Bernhard Jurt, der oberste Brunnenwart und Leiter des Strasseninspektorats der Stadt Luzern, entgegennehmen. Sein Team reinigt regelmässig die 225 Brunnen, die auf Luzerner Stadtgebiet Trinkwasser spenden.